10 März 2013

In bester Gesellschaft

Allein sein. Wie schön! Ich krieg im Moment fast nicht genug davon. Einfach allein sein. Für mich, mit mir. Was da alles wegfällt! Brockenweise. Fast wie der Schnee, der vom Dach donnert, je länger die Sonne darauf scheint. Und was dann darunter wieder alles zum Vorschein kommt! Längst vergessene Schätze, verloren Geglaubtes, Vergrabenes, schon halb Vermodertes. Schöne und hässliche Dinge, fröhliche und traurige. Der Frühling bringt alles ans Licht.
Allein sein, was für ein Geschenk. Was die Welt wohl bestenfalls als Misserfolg ansieht, entdecke ich mehr und mehr als die grösste Gnade überhaupt. Allein sein können. Mir das zu erlauben! Die Fühler einziehen, nach innen richten. Je länger ich so bin, desto mehr will ich grad davon. Es ist wie frisches, kühles Wasser trinken an einem heissen Sommertag. Ich kann mir nicht vorstellen je damit aufzuhören. Es tut so gut und der Durst scheint nur noch grösser zu werden. Als ob ich all die Male in meinem Leben nachholen müsste, wo ich gegen mich ging, wo ich eigentlich gern allein gewesen wäre, dann aber doch mitging, rausging, ja sagte. Jetzt kann ich nein sagen und es bedeutet mehr ja als je zuvor. Danke.

09 März 2013

Verborgene Phantasie(n)

Aufräumen kann ja richtig spassig sein! Ich jedenfalls habe heute Tränen gelacht. Jetzt nicht unbedingt, weil ich all das benutzte Geschirr so humorig, sondern weil ich all die Blätter voller Blödsinn fand, die wir am Abend zuvor produziert hatten. Ein Elephant konnte da ohne weiteres innerhalb von Minuten zuerst zu einem Langhaardackel, dann zu einem Pudel und schliesslich zur obligaten Katze mit Durchfall mutieren. Alles kein Problem in dem Spiel mit den tausend Namen, das mir als "Eat poop you cat" bekannt ist. Mit diesem Namen ist glücklicherweise auch gleich geklärt, dass wir offenbar nicht die einzigen sind, die am Ende auffallend oft bei Katzen, Fäkalien und anderen interessanten Dingen landen.

07 März 2013

Von komischen Leuten

Die Leute fragen mich immer „Und, was machsch du so?“. So eine einfache Frage, scheints, für mich aber eine Knacknuss sondergleichen. Ich fange dann immer wie wild an zu hirnen. Ja, weil zuerst einmal muss ich aufpassen, dass ich nicht auf die Frage antworte. Ja, wirklich! Es ist nämlich eine Art Fangfrage oder so, denn obwohl sie einen ja eigentlich genau das fragen, wollen sie gar nicht hören, was man JETZT gerade macht.
Als Nächstes muss ich also überlegen, was sie ächt denn dann wissen wollen. Vielleicht, was ich gestern gemacht habe? Oder bevor wir uns über den Weg gelaufen sind? Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, warum das relevant sein sollte, komme ich auch hier ins Straucheln, denn: Ich erinnere mich nicht. Ja, ich muss mich enorm anstrengen, wenn ich jemandem irgendwie zusammenflicken soll, was ich gestern, oder noch schlimmer, letzte Woche so gemacht habe. He, es ist vorbei! Wieso sollte ich es weiter präsent halten? Zu anstrengend.
Das unangenehmste an diesen Fragen ist, dass sie wie Zwangsjacken sind - einmal gestellt, ist man gefangen und man muss sich dem Verhör stellen, um eventuell ein paar Fragen später wieder freigelassen zu werden. Ausser vielleicht, es käme einmal so heraus:

Dahergelaufener Bekannter: He sali! Wi geiz?
Ich: Eh hoi, guet danke.
Dahergelaufener Bekannter: Und, was machsch so?
Ich: Äh... ich stah da und rede mit dir.
Dahergelaufener Bekannter: Neeei, ich meine was'd so machsch?
Ich: (Hää??! Ghörter schlächt?) Jo äbe, da stah ond mit dir rede.
Dahergelaufener Bekannter: Nei, sösch meini!
Ich: Ah sösch no? Hmm...ah jo schnuufe tueni no.
Dahergelaufener Bekannter: He chum, verarschmi ned.
Ich: Eh mou, dasch ärnscht, ich schnuufe grad vou im Fau!
Dahergelaufener Bekannter: Ja aber söööhööösch!!
Ich: Ja dänk ou sösch, meinsch öppe ich schnuufi nur, wenni dich gseh?! Ich schnuufe eiglech gäng, esch sone Gwohnet.
Dahergelaufener Bekannter: Aber du machsch ja ned nor das!
Ich: Nei, äbe drom sägi ja, ech stah no da und rede mit dir. Aber das söttsch ja etz de langsam verstande ha.
Dahergelaufener Bekannter: Ich ha ja ou gar ned das gmeint.
Ich: Ah ned? Aber du hesch im Fau gnau das gfrägt!
Dahergelaufener Bekannter: Ja scho, aber i ha doch wöue wüsse was du sösch so machsch im Läbe.
Ich: Jä soooo! De säg doch das. Jä, hesch Zit?
Dahergelaufener Bekannter: Nei, ech muss grad ufe Zug, sorry.
Ich: (dasch etz e Komische!)
Davongelaufener Bekannter: (dasch etz e Komischi!)

04 März 2013

Jesus reloaded

Erkenntnis auf meinem heutigen Morgenspaziergang:
JEDER kann übers Wasser gehen!

Man muss nur die richtige Jahreszeit erwischen ;)

(m.a.W.: Der Schnee war heute morgen so hart gefroren, dass ich problemlos darüber gehen konnte, ohne einzusinken)

=)

19 Februar 2013

Fasnacht in Basel

Heute, Dienstag Morgen kurz nach neun.
Seelenruhig bläst der Wind kunterbunte Papierschnipsel über den Asphalt. Die Morgensonne, mächtig überm Horizont, taucht die Stadt in süsses Honiglicht. Am Strassenrand der Kopf einer pinken Rose, daneben bohren sich die ersten lila Krokusse durch den Boden. Die Vögel pfeifen Frühling.
Sonst hört man nichts.

Noch nichts.

18 Februar 2013

10 Februar 2013

Fremd

Da hat einer schön auf den Punkt gebracht, wie es sich wohl oft anfühlen muss, bei uns zu leben, als Ausländer in einem fremden Land:

"wenn ich mein bart mal nicht rasiere
meinen sie grad ich explodiere
wenn ich mein rücken mal verbiege
meinen sie ich will iv beziehe
die menschen schauen mich hier an
als wäre ich ein orang utan
was habe ich ihnen denn getan" 

Was so poetisch und humoristisch treffend daherkommt, stammt bemerkenswerterweise vom mir bisher als reiner Blödelkomiker bekannten Müslüm (aus dem ebenfalls überraschend guten Song Orang Utan). Hier gilt wohl doppelt, dass man sich von Äusserem nicht täuschen lassen sollte. Ich werde nochli weiter forschen ;-)

PS: "Föndü isch das sosialschte Gricht. Vor dem Föndü sind wir alle gleich!" (Müslüm)


05 Februar 2013

Don Juan oder: Verdad sobre Razón

Don Juan. Schön. Ich gestatte dir, frei von der Leber zu reden. Sag mir, was du denkst.
Sganarell. In diesem Fall, Herr, sage ich Ihnen offen, dass ich Ihre Methode nicht billige und dass ich es schändlich finde, nach allen Seiten hin zu lieben, wie Sie es tun.
Don Juan. Wie? Du willst, man soll sich für immer an die erste Person binden, die einen reizt, man soll ihretwegen der Welt entsagen und für niemand mehr Augen haben? Herrlich - sich durch einen falschen Ehebegriff zur Treue zwingen lassen, sich für immer in ein Gefühl vergraben und von Jugend auf tot sein für alle anderen Schönheiten, die einen vor Augen kommen können! Nein, nein, Beständigkeit taugt nur für die Narren; [...] begeistern [...] unsere Herzen [...] Schönheit überall [...]
Sganarell. Gott steh mir bei, welch ein Vortrag. Es ist, als hätten Sie das alles auswendig gelernt. Sie reden ganz wie ein Buch.
Don Juan. Was kannst du darauf sagen?
Sganarell. Ach Gott, ich hätte zu sagen ... Ich weiss nicht was ich sagen soll. Sie verstehen die Dinge so zu drehen, dass es scheint, als hätten Sie recht. Und doch ist das nicht der Fall. Ich hatte die allerschönsten Gedanken, aber Ihre Rede hat mir alles durcheinandergeworfen. Lassen Sie mir Zeit. Ein andermal will ich meine Einwände schriftlich niederlegen, um mit Ihnen streiten zu können.
Don Juan. Sehr vernünftig.

Auszug aus "Don Juan" von Molière.


01 Februar 2013

Awe #2

by Marcin Ryczek
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